Basisbegriffe des Tai Ji Quan und Qi Gong



Stempelschrift
Wu





Stempelschrift
Ji

Wu Ji

Wu [wu] – ohne, nicht, leer

Ji [dschi] – höchster Punkt, höchster Grad, Gipfel, Vollendung

Das Schriftzeichen Wu zeigt einen Menschen, mit seinen beiden Beinen mühsam Halt suchend, in seinem Streben eine höhere Ebene, den Himmel, Yi – die Eins, das Göttliche zu erreichen, ohne dass ihm das gelingt.
Das Schriftzeichen Ji wird weiter unten erläutert im Begriff Tai Ji.

Wu Ji bezeichnet die Einheit, das Göttliche, das Absolute, den Urzustand ohne zeitliche und räumliche Begrenzung, und somit in sich selbst leer und statisch, ohne Bewegung, ohne Inhalt, ohne Bedeutung, ohne Leben. Alle Manifestationen der phänomenalen Welt entfalten sich aus Wu Ji und lösen sich letztlich wieder darin auf.

Das einfachste Symbol für Wu Ji ist ein Punkt, für Yin und Yang ein senkrechter Strich. Mit der Entwicklung des Punktes zu einer Linie, die ja noch immer in sich eins ist, entsteht die Zweiheit, entsteht Anfang und Ende, oben und unten, links und rechts, vorne und hinten. Der Strich, der somit Einheit und Zweiheit in sich trägt, ist das Ursymbol der Polarität.


Kalligraphie von
Ngakpa Chögyam

Das erweiterte Symbol für Wu Ji ist der Kreis, also eine Linie ohne Anfang und ohne Ende. Die Form des Kreises beinhaltet zwar bereits eine zyklische Bewegung, aber diese kann sich in dieser Gestalt nicht wirklich manifestieren. Die weiße Fläche, die der Kreis umschließt, ist leer und trägt somit bereits den Keim in sich, diese Leere mit Inhalt und Bedeutung zu füllen.

Im Tai Ji Quan wird Wu Ji auch als Bezeichnung der Anfangs- und Endposition zu Beginn der Form verwendet. Das Stehen mit geschlossenen Füßen in entspannter Haltung symbolisiert sozusagen den eigenschaftslosen Urzustand der Einheit. Mit dem Schritt des linken Fußes zur Seite entsteht aus Wu Ji die Zweiheit Yin und Yang, aus der Gestaltlosigkeit manifestieren sich Zeit und Raum im Wechselspiel der Polaritäten. Am Ende der Form kehrt man mit dem Schließen der Füße wieder symbolisch in die ursprüngliche Formlosigkeit zurück.

Häufig wird auch diese zweite Position, also die Kleine Reiterhaltung, als Wu Ji Stand oder Wu Ji Position bezeichnet. Bei dieser Betrachtung wird diese Position als die ruhende Anfangsposition angesehen, aus der heraus sich dann mit dem Beginn der Form Yin und Yang durch die Bewegung manifestieren.




Tai Ji Quan Chen Stil

Tai Ji · Tai Ji Quan · Chen Stil

Aus Wu Ji, der Einheit, dem Absolutem manifestiert sich die Zweiheit
Yin und Yang, die Polarität, das Relative, die Bewegung, das Leben.

Das Yi Jing [ I Ging ] sagt:

aus Wu Ji – dem göttlichen, eigenschaftslosen Urzustand,
entsteht Tai Ji – der Mensch in der Mitte von Himmel und Erde,
als Schöpfung von Yin und Yang,
als höchste Vollendung im Prozess von Werden und Vergehen.

Wichtig zu unterscheiden:

Tai Ji ist ein zentraler Begriff der chinesischen Philosophie, vor allem des Daoismus, formuliert im Yi Jing [ I Ging ] - dem Buch der Wandlungen.

Tai Ji Quan bezeichnet eine Kampf- und Bewegungskunst, die auf den Prinzipien des Tai Ji beruht und diese körperlich umsetzt. (Häufig wird Tai Ji Quan im westlichen Umgangssprachgebrauch auf Tai Ji reduziert!)



Stempelschrift
Tai

Tai [tai] – höchst, ältest; ursprünglich, ur-; absolut

Das Schriftzeichen zeigt einen Menschen von vorn und unterstrichen, mit anderen Worten einen Menschen der breitbeinig und fest verwurzelt auf der Erde steht.
Es stellt einen Menschen im Superlativ dar, einen Menschen auf dem Gipfel der Vollkommenheit – das Absolute, der Superlativ.




Stempelschrift
Ji

Ji [dschi] – Extrem, höchster Punkt, höchster Grad, Gipfelpunkt, Vollendung

Links im Schriftzeichen ist ein Baum dargestellt mit kräftigen Wurzeln und etwas kleineren Ästen oben, also eher ein Keimling als ein ausgewachsener Baum:
Mu – Holz; Pflanze, Baum
ist das Ursymbol für Geburt und Wachstum, für Fruchtbarkeit, für das Werden.

Rechts im Zeichen, dem Baum zugewand, ist ein Mensch von der Seite zu sehen, ein Bauer bei der Arbeit. Er wird gezeigt zwischen zwei horizontalen Strichen - zwischen Himmel und Erde. Der Mensch ist also die Mitte, die Verbindung zwischen Himmel und Erde, mit dem Kopf trägt er den Himmel, mit den Füßen wurzelt er in der Erde.

Vor dem Menschen ist ein Mund dargestellt:
Gan - süß; Nahrung
Etwas Süßes, Nahrung im Mund ist das Symbol für Ernährung, also für einen anabolischen – aufbauenden Naturvorgang, für das Werden.

Hinter dem Menschen ist eine rechte Hand dargestellt:
You - wiederholt; rechts, mit der rechten Hand; beschützen
Die rechte Hand ist das Symbol für Aktivität. Durch Aktivität wird die durch den Mund zugeführte Nahrung bzw. Energie wieder verbraucht. Es ist also auch ein Symbol für den Katabolismus – einen abbauenden Stoffwechselvorgang, für das Vergehen.

Das Schriftzeichen Ji in seiner Gesamtheit symbolisiert also Wachstum und somit das Streben nach oben, das Streben nach Höherem. Es zeigt einen arbeitenden Menschen, der auf der einen Seite Nahrung zu sich nimmt und in Energie umwandelt – Yang, auf der anderen Seite die zugeführte Energie in Form von Arbeit verbraucht – Yin.
Es ist ein anschauliches Symbol für den Metabolismus – den Stoffwechselvorgang, an den Leben grundsätzlich gebunden ist.
Das Zeichen zeigt den Menschen im zyklischen Prozess der Wandlung von Yin und Yang; er ist verbunden mit Himmel und Erde und er bringt durch diesen Prozess Wachstum hervor.
In der chinesischen Philosophie, auch im heutigen, ganz alltäglichen Verständnis ist der Begriff Vollendung immer an das Da-Sein des Menschen gebunden. Er wird als der Gipfelpunkt des Seins betrachtet, des Werdens und Vergehens.

Tai Ji ist also der Superlativ der Vollendung, des höchsten Gipfels, also der Superlativ der Superlative – der allerhöchste Grad der Vollendung. Und nicht zu vergessen: die höchste Vollendung ist grundlegend an das Menschsein gebunden!



Stempelschrift
Quan

Quan [tschuen] – Faust; Boxen, Faustkampf

Das Schriftzeichen Quan setzt sich aus vier Schriftzeichen zusammen:
Mi - Reis, Getreide; Reis im Vorratsschrank
Zuo - links, mit der linken Hand; Hilfe, Beistand
You - wiederholt; rechts, mit der rechten Hand; beschützen, besitzen
Shou - Hand

Ganz oben im Zeichen ist ein Kreuz mit vier kleinen diagonalen Strichen zu sehen. Das Kreuz symbolisiert einen Vorratsschrank, die vier diagonale Striche Reiskörner. Das Zeichen zeigt also Reis, der im Schrank aufbewahrt wird.

Darunter sind zwei Hände zu sehen, die Schutz und Abwehr darstellen vor dem Zugriff der dritten Hand ganz unten im Zeichen.

Das Zeichen Quan in seiner Gesamtheit zeigt also die Verteidigung des Reisvorrates, also dem wichtigsten Lebens-Mittel der chinesischen Kultur, vor räuberischem Zugriff. Das Symbol dafür ist die Faust.



Stempelschrift
Chen

Chen [tschen] – ausstellen; darlegen

Links im Zeichen ist eine Mauer dargestellt. Sie symbolisiert eine gemauerte Einfriedung, also Schutz vor Angriffen und in diesem Sinne auch Wehrhaftigkeit. Die Mauer bedeutet zum einen Abgrenzung nach außen, zum anderen Abgeschlossenheit nach innen.

Rechts im Zeichen ist ein Baum, eine Pflanze, ein Keimling dargestellt, also das Ursymbol für Geburt und Wachstum, für Fruchtbarkeit und für das Werden.

Links und rechts vom Stamm des Baumes bzw. vom Stängel des Keimlings sind zwei Hände zu sehen, die das Pflänzchen schützend und hegend umfassen und vielleicht gerade dabei sind, es einzupflanzen.

Das Schriftzeichen Chen in seiner Gesamtheit symbolisiert also: Hegen und Pflegen, oder mit anderen Worten Hingabe, was heißt: Ein geschützter Rahmen erzeugt Wachstum und Fruchtbarkeit.



Stempelschrift
Yin




Stempelschrift
Yang

Yin und Yang

Yin – Mond, Schatten, Rückseite; bewölkt, absteigend; negativer Pol
Yang – Sonne, Licht, Vorderseite; strahlend, aufsteigend; positiver Pol

Die eigentliche, ursprüngliche Bedeutung von Yin und Yang ist:

Yin – die im Schatten liegende Seite einer Mauer
Yang – die von der Sonne beschienene Seite einer Mauer

In beiden Schriftzeichen ist auf der linken Seite eine Mauer dargestellt, und zwar eine Mauer, die aus behauenen Steinen aufgeschichtet ist, also ein Konstrukt des Menschen als Sinnbild des Dao. Diese Mauer, in sich selbst unbewegt, kann sich in zwei gegensätzlichen Aspekten manifestieren, die durch die Darstellungen auf der rechten Seite der Schriftzeichen definiert werden.

Im Schriftzeichen Yin ist auf der rechten Seite oben ein Dachstuhl zu sehen, der den bedeckten Himmel symbolisiert, darunter eine quasi durchgestrichene Sonne, also eine bedeckte, nicht scheinende Sonne.

Im Schriftzeichen Yang ist auf der rechten Seite die Sonne dargestellt, die mit kräftigen Strahlen auf die Mauer scheint.

Betrachtet man nun die ursprüngliche Bildbedeutung von Yin und von Yang im Zusammenhang, offenbart sich ein dritter, ganz entscheidender Aspekt:

Die Bedingtheit der beiden Pole Yin und Yang, d.h. das eine kann ohne das andere nicht existieren. Sonne lässt zwangsläufig Schatten entstehen, und umgekehrt gibt es keinen Schatten ohne Sonne. Und zwangsläufig ist diese Bedingtheit gebunden an eine zyklische Bewegung:

Am Morgen geht die Sonne im Osten auf, die Ostseite einer Mauer, eines Hauses, eines Berges etc. liegt in der Sonne, ist Yang, die Westseite liegt im Schatten, ist Yin. Es ist im Zyklus von Werden und Vergehen die Phase des zunehmenden Yang. Am Mittag, wenn die Sonne im Zenit steht, ist die Phase des höchsten Yang. Am Abend hat sich die Ausgangssituation umgekehrt: Jetzt ist die ehemalige Sonnenseite im Schatten, aus Yang ist Yin geworden, die ursprüngliche Schattenseite liegt jetzt in der Sonne, aus Yin ist Yang geworden. Es ist die Phase des zunehmenden Yin. Und um Mitternacht ist folglich die Phase des höchsten Yin.


Modell der
DNA-Doppelhelix

Yin und Yang beschreibt Tai Ji, das Urprinzip des Lebens, das alle Erscheinungsformen unserer phänomenalen Welt umfasst. Leben, Materie, Energie, Zeit und auch der Geist ist an Polarität gebunden. Und Polarität ist immer und zwangsläufig mit zyklischer Bewegung verbunden, im Kleinen wie im Großen, im Atom genauso wie in der Galaxis, im Ablauf eines Tages, eines Monats, eines Jahres genauso wie im Ablauf eines Lebens.

So lassen sich zum Beispiel alle Funktionen des Körpers grundlegend mit Yin und Yang erfassen, wie es die Traditionelle Chinesische Medizin tut. Umgekehrt bauen auch alle Funktionen in ihrer zum Teil unglaublichen Komplexität grundlegend auf Yin und Yang auf. Als Beispiel dafür sei hier der genetischen Code des Menschen genannt, gespeichert in der DNA durch paarweise angeordnete chemische Bausteine [den 2 Basenpaaren Adenin mit Thymin und Guanin mit Cytosin]. Deren 2 hoch 6 = 64 Basiskombinationen sind bereits vor mehreren tausend Jahren im chinesischen Buch der Weisheit, dem Yi Jing [ I Ging ] beschrieben worden. Diese 2 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 = 64 Möglichkeiten sind sozusagen die 64 Buchstaben des Alphabet unseres genetischen Codes.





Tai Ji Tu
Tai Ji Diagramm

Tai Ji Diagramme

Die chinesischen Philosophen haben in ihrem Streben, die Aspekte von Yin und Yang zu erfassen und in einem Symbol zu komprimieren, zahlreiche Tai Ji Diagramme geschaffen.

Das bekannteste und klassische Tai Ji Diagramm stammt aus Indien und ist wahrscheinlich mit dem Buddhismus zusammen nach China gelangt und adaptiert worden. Es zeigt zwei in sich verbundene Wellen in einem Kreis. Seine Darstellung assoziiert eine Rotationsbewegung im Uhrzeigersinn.

Die weiße Seite repräsentiert das junge, zunehmende Yang, die schwarze Seite das junge, zunehmende Yin, aufs Tai Ji Quan bezogen das Ausdehnen [ Peng ] und das Aufnehmen [ Lu ]. Innerhalb der beiden Seiten ist ein kleiner Kreis in der Gegenfarbe, was zeigen soll, dass Yin und Yang aus ihrem jeweiligen Gegenteil entstehen. Sie repräsentieren den Keim des jeweils anderen Pols, das heißt im höchsten Yang entsteht bereits das Yin, im höchsten Yin ist bereits das Yang enthalten - jedes Extrem verkehrt sich zwangsläufig in sein Gegenteil. Aufs Tai Ji Quan bezogen sind das die Umkehrpunkte einer expandierenden bzw. einer kontrahierenden Bewegung.

Dieses klassische Tai Ji Symbol vereint die Aspekte Polarität, ihre gegenseitige Bedingtheit, die zyklische Bewegung und sehr anschaulich das Gleichgewicht der Kräfte.


Tai Ji Diagramm
von Lai Zhi De

Im Chen Tai Ji Quan wird gerne das Tai Ji Diagramm benutzt, das der Philosoph Lai Zhi De mit dem Ehrennamen Lai Qu Tang (1525 - 1604) entwickelt hat.

In diesem Symbol ist der Aspekt der Rotation noch deutlicher als im klassischen Diagramm. Es zeigt das Entstehen des Tai Ji aus Wu Ji, dem leeren Kreis in der Mitte. Aus Wu, dem Nichts, dem ruhenden Zentrum entsteht aus einer spiralförmig nach außen gerichtete Bewegung Yin und Yang, der Prozess des Werdens, und dorthin kehrt es auch wieder zurück im Prozess des Vergehens.

Interessant in diesem Zusammenhang: Dreht man dieses Tai Ji Diagramm im Gegenuhrzeigersinn, wird eine Spiralbewegung vom Zentrum nach außen assoziiert, dreht man es dagegen im Uhrzeigersinn, entsteht eine Bewegung nach innen, zum Zentrum hin.

Bei der Betrachtung von Lai's Diagramm spürt man förmlich die Gegenkräfte von Zentrifugal- und Zentripedalkraft. Die spiralförmige Rotationsbewegungen, die ihren Ursprung in der in sich selbst ruhenden Kraft der Mitte hat, ist auch das wesentliche Merkmal des Chen Tai Ji Quan.


Tai Ji Diagramm
von Zhou Dun Yi

Ein weiteres berühmtes Tai Ji Diagramm stammt vom neokonfuzianischen Philosophen Zhou Dun Yi mit dem Ehrennamen Zhou Lian Xi (1017-1073).

In seinem Hauptwerk Tai Ji Tu Shuo - Theorie des Tai Ji Diagramms
beschreibt er die Entstehung der phänomenalen Welt - der 10000 Dinge
aus der Einheit - Wu Ji.
Seine Darstellung betont die Bedingtheit, also die gegenseitige Abhängigkeit von Yin und Yang.



Tai Yi
die absolute Eins

Aus der

1 – Tai Yi – das absolute Eine
= Wu Ji

= der kleine Kreis im Zentrum des Diagramms von Zhou Lian Xi



Er Chong Xing
Polarität

entsteht die

2 – Er Chong Xing – die Polarität
= Yin und Yang = Tai Ji

= die dunklen und hellen Halbkreise im Diagramm von Zhou Lian Xi

Er [ar] – 2
Chong [tschung] – wiederholen; verdoppeln; noch einmal; Schicht, Lage
Xing [hsing] – Charakter, Natur, Veranlagung; Eigenschaft; Geschlecht

Aus 1[Yin] + 1[Yang] + 1[ihr Bezug zueinander] entsteht die

3 – Shen · Yi · Jing – Geist · Energie · Materie

symbolisiert durch die drei konzentrischen Yin-Yang-Kreise im Diagramm,
denn Shen, Yi und Jing sind in sich selbst wiederum Yin und Yang:


Shen - Geist


Shen [schen] – [Yang] – das Göttliche, die Seele, der Geist des Menschen,
kosmologisch: der Himmel


Yi - Energie


Yi [(j)i] – [ihr Bezug zueinander] – voneinander abhängig sein
bezeichnet den Energieaspekt: Qi,
kosmologisch: der Mensch in der Mitte


Jing - Materie


Jing [dsching] – [Yin] – Essenz, Sperma, Samen
charakterisiert den Aspekt: Materie,
kosmologisch: die Erde

Jing ist die Grundlage
Yi die treibende Kraft
Shen ist der Anführer
Su Wen


Aus der 3 bildet sich die

Wu Xing
5 Elemente


5 – Wu Xing – die fünf Elemente

Wu [wu] – 5
Xing [hsing] – Charakter, Natur, Veranlagung; Eigenschaft; Element


Mu - Holz


Mu [mu] – Holz,
bedeutet im Tai Ji Quan: das Zermalmen – das Qi, die Bewegung, die Kraftentfaltung expandiert und kontrahiert anschließend, z.B.:
Buddha's Wächter stößt in den Mörser



Huo - Feuer


Huo [huo] – Feuer,
im Tai Ji Quan: das Hämmern oder Feuern – die Fäuste, das Qi explodieren wie ein Feuerwerkskörper, z.B.:
Der Kanonen-Fauststoß


Tu - Erde


Tu [tu] – Erde,
im Tai Ji Quan: das Gleiten oder das Kreuzen – die Arme kreuzen sich, die Bewegung ist sanft und gleitend. Die eingesetzte Kraft, das Qi ist weich und nachgiebig, z.B.:
Drei Schritte vorwärts


Jin - Metall


Jin [dschin] – Metall,
im Tai Ji Quan: das Spalten oder Schneiden – das Qi, die Bewegung der Arme ist wie ein Axthieb, von oben nach unten gerichtet, z.B.:
Die Jadefrau wirft das Weberschiffchen


Shui - Wasser




Shui [schui]– Wasser,
im Tai Ji Quan: das Bohren oder Schrauben – eine schnelle Bewegung nach vorne und nach oben, die Kraft, das Qi, soll wie eine Fontäne hochschießen, z.B.:
Blitz aus der Drehung heraus




Wan Wu
die 10 000 Dinge


Und 5 – Wu Xing bringt alle Erscheinungen dieser Welt hervor:

Wan Wu – die 10 000 Dinge

– alle Dinge dieser Welt, die Gesamtheit aller Erscheinungen;
die phänomenale Welt

Wan [wan] – 10 000; sehr viel, zahllos; alle
Wu [wu] – Ding, Gegenstand; Außenwelt; Umwelt; Mitmenschen




Liang Yi
die zwei Zustände


Die 1 – Tai Yi – das absolute Eine erzeugt aber auch die

2 – Liang Yi – die zwei Zustände

die beiden Seiten einer Erscheinung, die wechselseitige Bedingtheit; Polarität

Liang [lieng] – zwei; die beiden Seiten (einer Sache); zwei Teile
Yi [(j)i] – Aussehen, Erscheinung; Haltung

Liang Yi – die zwei Zustände
bezeichnet die zwei Basisaspekte des Yi Jing [I Ging]:


Yin

Yin
dargestellt durch eine unterbrochene horizontale Linie

und


Yang

Yang
symbolisiert durch eine durchgehende Linie






Si Xiang
die vier
Erscheinungsformen

Die 2 – Liang Yi – die zwei Zustände beinhaltet auch die

4 – Si Xiang – die vier Erscheinungsformen

Si [si] – 4
Xiang [hsieng] – Erscheinung; Gestalt; Zustand

diese sind
Si Ji – die vier Tageszeiten, die vier Jahreszeiten

Si Fang – die vier Himmelsrichtungen
im Tai Ji Quan: die 4 Bewegungsrichtungen



Si Xiang – die vier Erscheinungsformen
sind die 4 Basispaare des Yi Jing [I Ging]:


Shao Yang

Shao Yang – junges Yang · Yang im Yin
aufsteigende Sonne; Morgen, Vormittag; Frühling; Osten,
im Tai Ji Quan: Bewegung nach links; expandierende Bewegung


Tai Yang

Tai Yang – höchstes Yang · Yang im Yang
Sonne im Zenit; Mittag; Sommer; Süden,
im Tai Ji Quan: Bewegung nach vorn, Angriff; Bewegungsumkehr nach einer expandierenden Bewegung


Shao Yin

Shao Yin – junges Yin · Yin im Yang
sinkende Sonne; Nachmittag, Abend; Herbst; Westen,
im Tai Ji Quan: Bewegung nach rechts; kontrahierende Bewegung


Tai Yin

Tai Yin – höchstes Yin · Yin im Yin
Dunkelheit; Nacht, Mitterenacht; Winter; Norden,
im Tai Ji Quan: Bewegung nach hinten, Abwehr; Bewegungsumkehr nach einer kontrahierenden Bewegung







Ba Gua
die acht Trigramme

Die 4 – Si Xiang - die vier Erscheinungsformen
wiederum erzeugt die

8 – Ba Gua – die acht Trigramme

Ba [ba] – 8
Gua [gua] – Diagramm; Trigramm (des Yi Jing)

Die acht Trigramme
Himmel · Erde · Donner · Wasser · Berg · Wind · Feuer · See
sind als Bilder anzusehen, als Energieaspekte einer realen Erscheinung.
Qian – Himmel bedeutet das Himmelsprinzip, die dem Himmel zueigene Energie, das schöpferische Prinzip, die Kreativität.
Der reale, sichtbare Himmel ist im Chinesischen ein anderes Wort, ein anderes Schriftzeichen: Tian.
Dasselbe trifft auch auf die anderen Übersetzungen bzw. Bilder der acht Trigramme zu.


Ba Gua – die acht Trigramme
sind die 8 grundlegende Aspekte des Yi Jing [ I Ging ].
Durch erneutes Quadrieren entstehen dann die 64 Hexagramme.


Qian

Qian – das Schöpferische – der Himmel


Kun

Kun – das Empfangende – die Erde


Zhen

Zhen – das Erregende – der Donner


Kan

Kan – das Abgründige – das Wasser


Gen

Gen – das Stillehalten – der Berg


Xun

Xun – das Sanfte – der Wind


Li

Li – das Haftende – das Feuer


Dui


Dui – das Heitere – der See


Zhou Dun Yi
Zhou Dun Yi

Zhou Dun Yi schreibt in seiner berühmten Abhandlung »Die Durchdringung des Buches der Wandlungen«, dem Yi Jing [ I Ging ]:

Wu Ji und doch Tai Ji!
Tai Ji erzeugt durch Bewegung Yang,
Auf dem Höhepunkt der Bewegung entsteht Ruhe.
In der Ruhe erzeugt Tai Ji Yin,
Erreicht die Ruhe ihre Grenze, entsteht erneut Bewegung.
Ruhe und Bewegung alternieren,
Jedes ist der Ursprung des anderen.
In der Natur von Yin und Yang zeigen sich seine 2 Pole.

Die Wandlung und die Verbindung von Yin und Yang
Bringen Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde hervor.
Ordnen sich diese 5 Kräfte in Harmonie
Nehmen die 4 Jahreszeiten ihren Lauf.
Die 5 Elemente sind in sich Yin und Yang,
Und Yin und Yang sind in sich Tai Ji,
Und Tai Ji ist in sich Wu Ji.
Doch in der Erzeugung der 5 Elemente
Hat jedes seine ihm innewohnende Natur.

Die Realität der 1 und die Essenz der 2 und der 5
Vereinen sich und verschmelzen auf wunderbare Weise:
Das Dao des Himmels bringt das Männliche hervor,
Das Dao der Erde das Weibliche.
Indem diese 2 Kräfte miteinander reagieren,
Formen sie sich um und erzeugen die 10000 Dinge.
Die 10000 Dinge erzeugen und erneuern sich wieder und wieder
In permanentem Wechselspiel und Transformation ohne Ende.


Yin Yang Symbol

Yin und Yang als Polaritäten

Meistens werden Yin und Yang in einer Liste gegenübergestellt: negativ – positiv, weiblich – männlich, unten – oben, materiell – ideell, kalt – warm, Frau – Mann, Erde – Himmel, Schatten – Licht, Mangel – Überschuß, usw.

Diese Form der Gegenüberstellung assoziiert ein Bild, das alle positiven Eigenschaften dem Männlichen zuordnen, alle negativen dem Weiblichen. Yin und Yang werden als Dualität dargestellt, also als Gegensätze. Yin und Yang bezeichnen aber Polaritäten, das heißt die zwei Seiten einer Sache. Der Aspekt der zyklischen Bewegung fällt bei einer solchen Betrachtunsweise ganz unter den Tisch.

Wichtig zu beachten:

Yin und Yang bezeichnet immer Polaritäten, also die beiden Seiten einer Sache bzw. eines Phänomens.

Yin und Yang beschreibt keine Dualitäten, also Gegensätzlichkeiten!

Dazu vom Philosophen Lai Zhi De:

Lai Zhi De zeigt seinem Schüler einen Stock:
»Schau dir diesen Stock an - sein eines Ende ist Yin, sein anderes ist Yang.«
Er wirbelt den Stock ein wenig herum und fragt:
»Welches Ende ist nun Yin, welches ist Yang?«
Der Schüler ist verwirrt und weis keine Antwort.
Lai wirbelt den Stock erneut und fragt seinen Schüler:
»Welches Ende ist denn wohl wichtiger?«
Der Schüler ist noch mehr verwirrt.
Lai sagt: »Der Stock selbst ist das, was wichtig ist!«

Ganz grundlegend symolisieren Yin und Yang – Erde und Himmel,
gemeint ist dabei nicht die physische Erde, auf der wir stehen, bzw. der Himmel, den wir über uns sehen können, sondern das Urprinzip von Erde und Himmel.

Im Chinesischen wird unterschieden zwischen Erde und Himmel im materiellen, physischen Sinne, und Erde und Himmel im übertragenen Sinn:

Di – die physische Erde;
Tian – der physische Himmel;

Kun – das Urprinzip Erde, das Empfangende, Yin
Qian – das Urprinzip Himmels, das Schöpferische, Yang


Yin Yang Symbol

Yin und Yang
beschreibt das Urprinzip des Weiblichen und des Männlichen:

Kun – das Empfangende, die Erde;
das Konkrete; die Intuition; der ganzheitlich erfassende Geist;
Prajna (skrt.) - die Weisheit

Qian – das Schöpferische, der Himmel;
das Abstrakte; die Logik; der selektive, analysierende Geist;
Upaya (skrt.) – die Methode

bedingen einander wie Licht (Yang) und Schatten (Yin).

bezeichnet Werden (Yang) und Vergehen (Yin)
Einatmen – Ausatmen
Keimen, Wachsen, Erblühen – Verblühen und Samenbildung
Entwicklung, Erproben, Lernen – Reife, Wissen, Weisheit

sind ständig im Wandel: Im Laufe eines Tages ändern sich Sonnen- und Schattenseite eines Berges. Wenn das Yin am größten ist, beginnt das Yang zu wachsen und umgekehrt. Um Mitternacht beginnt der neue Tag, am Mittag beginnt der Tag auf die Nacht zuzugehen.

gehen ineinander über wie Nacht und Tag, Ebbe und Flut, wie Wasser und Dampf. Das Wasser ist Yin: die Sonnenwärme, das Yang, lässt Wasser verdampfen, aufsteigen und zur Wolke werden – ein typischer Yang-Vorgang. Der Dampf wird wieder zu Yin, indem es als Regen auf die Erde niederfällt – die Yin-Wandlung.

bedingen einander als Substanz (Yin) und Funktion (Yang). Die Funktion eines Gegenstandes, eines Körperteils, eines Organs, erfordert ein bestimmtes Material, eine (äußere) Form, eine (innere) Struktur. Umgekehrt ermöglicht Material, Form und Struktur die ihm innewohnende Funktion.

kontrollieren einander wie Wasser und Feuer.

bedingen einander wie die zwei Seiten einer Münze: das Unten kann nicht ohne das Oben existieren bzw. umgekehrt.

sind zyklisch, in permanentem Wandel, erneuern sich ständig aus sich selbst heraus. Yin erneuert sich im Yang und umgekehrt, erst das Zusammenwirken von Mann und Frau gebiert neues Leben.

sind immer relativ: der Himmel ist Yang, die Erde Yin, die Erdoberfläche aber ist Yang in Bezug zum Erdinneren, der Himmel Yin in Bezug zum Kosmos.

beschreibt das grundlegende Prinzip unserer phänomenalen Welt und ist somit auch Basis aller naturwissenschaftlichen Gesetze und Erkenntnisse. Die Polaritäten Yin und Yang zeigen sich im Mikrokosmos, also in den Grundbausteinen Materie und Energie, genauso wie im Makrokosmos, dem Universums.